Gemeinsames Gedenken in Frankreich

Treffen mit französischen Schülern in Verdun

Nicht nur Politiker wie Merkel, Putin und Trump verweilten am Wochenende des 9.-11. November 2018 in Frankreich. Auch Schüler der Wolffskeel-Realschule machten sich auf den weiten Weg, um dem 100-jährigen Ende des Ersten Weltkriegs an einem wichtigen Kriegsschauplatz zu gedenken. Die Gemeinde Unterpleichfeld, in der einige unserer Schüler leben, pflegt seit 25 Jahren eine lebendige Städtepartnerschaft mit den Orten Cheux, St.Manvieu-Norray und Grainville sur Odon in der Normandie. Das Partnerschaftskomitee ermöglichte es 16 Zehntklässlern, drei Tage zusammen mit französischen Schülern in Verdun zu verbringen. In Verdun hatte es im Ersten Weltkrieg erbitterte Kämpfe gegeben, in denen insgesamt über 300.000 Soldaten starben.

Untergebracht war die deutsch-französische Gruppe in einer alten Klosteranlage südlich von Verdun, die heute als Jugendherberge dient. Dort kamen sich Deutsche und Franzosen bei gemeinsamen Gesprächen, Spielen und Tänzen näher. Auch standen eine Reihe gemeinsamer Ausflüge auf dem Programm. Im „Mémorial de Verdun“ konnten sich die Teilnehmer der Fahrt über die Geschichte des Ersten Weltkriegs informieren. Besonders interessant waren die vielen Originalgegenstände, wie zum Beispiel ein französischer Lastwagen oder ein deutsches Jagdflugzeug aus dem Jahre 1916. Der anschließende Besuch des Beinhauses von Douaumont erwies sich als sehr bewegend. Denn in dieser Grabstätte befinden sich die Gebeine von ca. 130.000 gefallenen Soldaten, die nach der Schlacht von Verdun nicht identifiziert werden konnten.

Vor dem Gebäude stehen tausende weißer Kreuze, die ebenfalls an die Toten dieser grausamen Schlacht erinnern.  „Der riesige Soldatenfriedhof machte die Ausmaße des Ersten Weltkriegs noch deutlicher“, meinte Julia Raich (10d) nach der Besichtigung. Auch der Besuch des Dorfes Fleury, das 1916 komplett zerstört wurde und von dem nur die Kirche wiederaufgebaut wurde, zeigte unseren Schülern das Ausmaß der Vernichtung und des Leids. Auf Hannah Renken (10b) machte dies einen „überwältigenden und schockierenden Eindruck.“ Am Abend hatten Schüler, Lehrer und Mitglieder des Partnerschaftskomitees die Möglichkeit, über die Schicksale eigener Familienangehöriger im Ersten Weltkrieg zu sprechen. Meist waren es schon die Ur- oder Ururgroßväter, von denen berichtet wurde.

Ebenso nahm unsere Gruppe, die ihre Verbundenheit durch eine an der Kleidung angebrachte deutsch-französische Fahne demonstrierte, an einem bewegenden Gottesdienst in der Kathedrale von Verdun teil. Höhepunkt des offiziellen Gedenkens der Stadt Verdun war eine Militärparade am „Monument aux Enfants“ (Denkmal für die Kinder), bei der einer unserer Schüler eine wichtige Funktion einnehmen durfte: Valentin Wild (10a) legte für die Gemeinde Unterpleichfeld einen Kranz nieder. Anschließend fand noch ein feierlicher Empfang im Rathaus von Verdun statt.

Alle Teilnehmer der Fahrt waren sich einig, dass die gemeinsamen Tage in Frankreich sehr gewinnbringend waren. Gerade in Zeiten, in denen in vielen Ländern der Nationalismus wieder aufkeimt, ist es wichtig, die Verständigung und Freundschaft zwischen den Völkern zu fördern. Leon Ramold (10b) bilanziert:  „Mir hat gefallen, dass wir deutsche und französische Schüler uns gut ausgetauscht haben.“ Denise Tausch (10d) ergänzt: „Ich fand es sehr schön, als die französischen Mädchen uns geholfen und wir zusammen gelacht haben. Vive l‘Europe. Vive l‘amitié franco-allemande. (Es lebe Europa. Es lebe die deutsch-französische Freundschaft.)“

Andreas Reuter